Andar pisando en cascarones arenosos
Auf sandigen Eierschalen laufen
2-Kanal-Videoinstallation, 220 × 125 × 50 cm, 23min (Loop)
2022, Mexiko
Regie, Kamera, Schnitt
Raphael Reichl
Mitwirkende
Schildkrötencamp Palmarito: Alison Raymundo Pérez, Abigal Santos Canseco, Lesley Adriana Santiago Mártinez, Yenisei Merlín Bautista, Néstor Daniel de los Santos Ruiz
Bauarbeiter in Puerto Escondido: Pedro, Timoteo, Raul, Damian, Norberto, Modesto, Miguel, Elider, Andrés, Alejandro, Victor, Fernando
Schildkröteneier von der Flut umspült, nackte Füße in Sandalen und der Lärm eines Presslufthammers. Wiederholt schwingt er einen Kübel auf seine Schultern, bevor er ihn auf einen Berg aus Schutt entleert. Seine Gänge werden abgezählt, genau wie jedes Ei.
Landungspunkt der Konquistadoren, die Inbesitznahme des Geistes. Die Natur ist zum Territorium geworden. Der Blick auf den grenzenlosen Horizont einer Globalisierung, der immer schon Bodenhaftung, Realität und konsistente Materialität fehlte.
Der Film reflektiert die Parallelität verschiedener Arbeitswelten in Mexiko und lässt globale Betrachtungen zu. Es ist der Versuch, die erlebten Widersprüche in Form einer filmischen Montage erfahrbar zu machen – auch die Widersprüche im künstlerischen Tun. Es sind Bilder, die Position beziehen wollen, mit dem Wunsch, sich anderen Perspektiven anzunähern.
(Text von Viktor Rabl und Raphael Reichl)
Ausstellungsansicht: Expositur Vordere Zollamtstraße 7, Universität für angewandte Kunst, Wien





Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr
Installation: Metall, Gips, Holz, Lithographie, Acryl, 16 mm Kader, Gefundene Objekte
2021
Der Körper ist gewachsen mit Wurzeln und Narben,
zuerst offen und abstrakt durch das Greifen,
dann direkt und komplex durch das Zeigen,
Schlusszüge markieren die glatte Oberfläche.
Prozesse berühren keine Tiefe,
verrinnen im stabilen Tunnel mit gierigen Blicken,
brandmarkt ein manipulativer Abdruck die ganze Masse,
ohne Ursprung in den Gedanken, ohne Halt.
Profite ohne Schamgefühl stützen sich auf
das eigentliche Statussymbol,
überfordert mit materiellem Eigentum,
der Besitz der eigenen Natürlichkeit zweigt ab.
Ausstellungsansicht: Expositur Paulusplatz 5, Universität für angewandte Kunst, Wien






Fotos von Raphael Reichl
P.A.H. (Schwedenhilfe)
City-Light-Poster, Digitaldruck, 118,5 × 175 cm
2019
Eine humorvolle bis ironische Verbindung entsteht in den Collagen von Raphael Reichl, der den Entstehungskontext der Siedlung Per-Albin-Hansson mit der Geschichte der österreichischen Süßigkeit Schwedenbomben verknüpft. Anhand der Verschränkung zweier derart spezifischer und sich so fremd scheinender Elemente, die er auf die Siedlung projiziert, bricht er historische Narrative auf. Das zersprengte filmische Material hinterfragt Wirklichkeit, Dokumentation und Überlieferung.
(Text von Clara Hofmann)
Ausstellungsansicht: IM VORBEI, Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost: Bergtaidingweg, 1100 Wien
Im Rahmen des Ausstellungsprojekts Per Albin von Doris Krüger und Ilse Lafer in Zusammenarbeit mit KÖR, kuratiert von Clara Hofmann


Fotos von Mira Klug
Das ausgelöschte Gehirn
Installation: Styropor, Spachtelmasse, Draht, Stahl, MDF, elektronische Mechanik
2019
Technische Unterstützung
Arno Gitschthaler and Felix Huber
Das ausgelöschte Gehirn ist eine Installation von kinetischen Skulpturen, die grundsätzlich Mechanismen in geometrischer Form darstellen. Ausgehend von der Fragestellung was Wahrheit bedeutet, bewegen sich autonome Körper im Raum. Zeit ist ein eigenes Empfinden, wie ein autonomes Wesen. Raphael Reichl versucht anhand geometrischer Körper die Naturgesetzlichkeit des Seins darzustellen. Inwieweit können Menschen die Gegenwart genau beschreiben? Auf der anderen Seite, des Betrachtens, kommt zusätzlich die Frage auf, wie genau wir beobachten können?
Die rotierenden Kegel zeigen eine Simultanität und Parallelität in einer endlosen Bewegung. Die Quader-Skulptur vollführt eine Bewegung des Hochhebens und Fallenlassens und stellt das Phänomen der Schwerkraft sowie die Übertragung eines Impuls oder Moments dar. Diese Mechanismen sind auch als Metapher der Filmproduktion zu verstehen – das Drehen und Schneiden. So beginnt mit dem Eingreifen des Menschen die Manipulation von Raum und Zeit.
Installationsansicht: Expositur Paulusplatz 5, Universität für angewandte Kunst, Wien
mit Arbeiten von Ana Likar (an der Wand)



Fotos von Raphael Reichl
revolvere
Installation: 16mm Projektor: 16 mm, b/w, silent, 9 sek (Loop)
iPhone 7: Video, digital, colour, silent, 5 min (Loop)
2018
Im April 2018 eskalierte die soziale Lage in Nicaragua aufgrund von unzähligen geteilten Beschuldigungen auf Social-Media-Kanälen von öffentlichen Verbrechen und Morden. Es wurden Protestbewegungen gegen das autoritäre Regierungssystem von Daniel Ortega organisiert. Zwischen der Regierung und der Demonstrierenden entstand nicht nur ein politischer Konflikt auf den Straßen, sondern es entwickelten sich gesellschaftliche Symptome aufgrund der sozialen Kanäle in der digitalen Welt, wenn aufgeladene Emotionen von Posts sich in einer Hochgeschwindigkeit im virtuellen globalen Raum aufbauschen. Wie viel Wahrheit bleibt zwischen Hilferufe und Hetze über? Und, wie soll ich, aus dem sogenannten globalen Norden kommend, mit all der Information umgehen?
In der Installation revolvere hinterfragt Raphael Reichl den Begriff der Revolution und versinnbildlicht die Etymologie in einer Gegenüberstellung von bildreproduzierenden Medien in ihrer technischen Evolution. Wenn Revolution früher im 15. Jh. wortwörtlich umkreisen hieß und später erst ab dem Zeitpunkt der französischen Revolution gewaltsamer politsicher Umsturz, dann verändert sich die Konnotation des Wortes von einer zyklischen in eine linear fortschreitende Bedeutung. Welchen politischen Herausforderungen stellt sich der moderne westliche Mensch in Krisen, wenn unser Verständnis von Revolution immer mit Umbruch und stetigen linearen Wachstum verbunden ist?
Die Maschinen bewegen sich parallel in ihrer Präsenz – im Takt der Revolution – Fortschritt oder Wiederholung von austauschbaren Machthabern?
Ausstellungsansicht: Shifting Sites: Activate the Territories, Expositur Paulusplatz 5, Universität für angewandte Kunst, Wien



Fotos von Raphael Reichl
Rot Grün Geburt
Filminstallation: Aluminium, 16 mm Projektor
Film: 16 mm, Farbe, stumm, 1 min (Loop)
2018
Ausstellungsansicht: Kulturverein Shizzle, Hernalser Hauptstraße 37, 1170 Wien





notprojektion
Installation: Aluminium, 16 mm Projektor
2018
Raphael Reichl adaptierte seine 16mm Film Installation Rot Grün Geburtfür die Ausstellung pubic viewing, die während dem daneben veranstalteten Public-Screening der Fußballweltmeisterschaft 2018 stattgefunden hat. In der Ausstellung der Notgalerie werden die Projektionswerkzeuge selbst zu darstellenden Gegenständen. Der Künstler funktioniert somit das Dispositiv, den Projektor und die Leinwand als dem Populäreren und dem Regime der Bilder, um. Die Arbeit erkennt aber den Unterschied zwischen der digitalen Kultur, gegenüber dem draußen angebrachten riesigen LCD Screen, welcher aus sich selbst heraus leuchtet, und dem Prinzip der analogen Projektion, welche über Licht ihre Bilder auf einen Träger wirft. Dieses Licht wirft in der Anordnung der notgalerie aber nicht mehr die Maschine, sondern die Sonne, die von außen durch die Installation Notrichter ein Farbmuster annimmt und sich im Raum verteilt.
(Text von Reinhold Zisser)
Gruppenausstellung: pubic viewing in der notgalerie, Aspern Nord, Wien
